Angesichts der eskalierenden Klimakrise und des unverantwortlichen Handelns der Bundesregierung, insbesondere des Wirtschaftsministeriums, rief ein breites Bündnis und Fridays for Future wieder zu großen Demonstrationen für echten Klimaschutz auf.
Am 18. April wurde bundesweit auf vier Großdemonstrationen in Köln, Hamburg, Berlin und München ein Zeichen gegen diese Politik und für die Verteidigung der Erneuerbaren Energien gesetzt.
Am 24. April, beim bundesweiten Anti-Gas-Aktionstag von Fridays for Future haben wir auch in Bingen mit demonstriert.
Heiko Brendel hielt folgende Rede:
11 Kilometer. Ein Nadelöhr der Welt.
Seit dem 28. Februar, seit den Militärschlägen der USA und Israels gegen den Iran, ist die Straße von Hormus blockiert. 11 Kilometer ist die Fahrrinne breit. Durch diese 11 Kilometer wird rund ein Fünftel des weltweiten Flüssiggases verschifft. Das Gas, das Milliarden von Menschen zum Erzeugen von Strom, zum Kochen, zum Heizen, zum Leben brauchen.
Jetzt: Kriegsschiffe und Kampfdrohnen statt LNG-Tanker.
Katar, einer der weltgrößten LNG-Produzenten, ist auf diese Meerenge angewiesen. Dazu kommt, dass durch Schäden durch iranische Angriffe 17 Prozent der katarischen LNG-Kapazität bis zu fünf Jahre ausfallen. Das ist kein vorübergehender Schock. Das ist eine strukturelle Verwüstung des globalen Gasmarkts. Die Gaspreise sind seitdem um 70 Prozent gestiegen.
Es klingt nach Börsennachrichten. Aber was bedeutet das für den Globalen Süden?
In Bangladesch, in Sri Lanka, auf den Philippinen können sich Familien das Kochen nicht mehr leisten. Dort wird mit Gas gekocht und Strom erzeugt, mit gasbasiertem Dünger Nahrung produziert. Arme Staaten in Asien und Afrika sind vom Preisanstieg am stärksten betroffen, und zusätzlich schränkt der Anstieg der globalen Zinssätze den ohnehin schon geringen fiskalischen Spielraum dieser Länder ein. Höhere Energiepreise sind eine regressive Steuer für die Armen.
Das ist kein Unfall. Das ist das fossile Energiesystem in seiner brutalsten Logik: Abhängigkeit als Geschäftsmodell. Eine Handvoll Exportstaaten, eine Handvoll Meerengen, eine Handvoll Konzerne – und der Rest der Welt ist ausgeliefert.
Aber was ist die Alternative? Russisches Gas, wie von der AfD gefordert? Nein. Putin führt einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine – russisches Gas zu kaufen bedeutet, diesen Krieg zu finanzieren. Das kann keine Antwort sein, das darf keine Antwort sein.
Also amerikanisches LNG? Die USA drohen bereits heute mit Lieferstopps, wenn Europa politisch nicht spurt. Unter Trump sind die USA schwer kalkulierbar. Entscheidungen über Exportpolitik können sich schnell ändern. Europas Gasversorgung hängt an politischen Stimmungen. Wir haben eine Abhängigkeit gegen die nächste getauscht – vom Kreml nach Mar-a-Lago.
Das ist das Wesen von Erdgas, aber auch von Erdöl und Uran: Fossil-nukleare Energien machen erpressbar. Immer. Egal, von wem sie kommen.
Die entscheidende Trennlinie verläuft zwischen Ländern, deren Energiesysteme verwundbar sind, und solchen mit resilienteren Energiesystemen. Solar- und Windenergie sind resilienter als fossil-nukleare Energien. Sonne und Wind lassen sich nicht blockieren.
Erneuerbare Energien sind daher keine Ideologie. Sie sind Unabhängigkeit. Sie sind Frieden. Sie sind Freiheit. Sie sind die einzige Antwort auf eine Welt, in der Gas und Öl Erpressungspotenzial haben, deren Produktion und Lieferwege von Kriegen bedroht werden – ob an der Straße von Hormus, in der Ukraine oder im nächsten Konflikt, den wir heute noch nicht kennen.
Gas und Öl sind zusammen für mehr als 40 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Aber wir kämpfen hier nicht nur für unser Klima. Wir kämpfen für eine Welt, in der Energie ein Menschenrecht ist – und kein geopolitisches Druckmittel.
Klimagerechtigkeit jetzt. Weltweit.

