Den Klimawandel einzudämmen und Biodiversität zu erhalten ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Dafür brauchen wir eine Veränderung unserer gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Häufig wird es so dargestellt, als würden nicht die Klimakrise und der Verlust intakter Ökosysteme unsere Wirtschaft gefährden und schädigen, sondern so als ob die eigentliche Bedrohung darin bestünde, die Zerstörung und Destabilisierung mit entsprechenden Regulierungen zu begrenzen.
Der Globale Risikoreport des Weltwirtschaftsforums 2026 spricht eine gänzlich andere Sprache. Die größten Risiken für die Wirtschaft der nächsten 10 Jahre sind demnach:
1. Extremwetterereignisse
2. Artensterben und Kollaps der Ökosysteme
3. Kritische Veränderungen der Erdsysteme
4. Fehl- und Desinformation
5. Nachteilige Folgen von künstlicher Intelligenz
Einmal mehr wird die Einschätzung bestätigt: Der Klimawandel und das Artensterben gefährden unsere Wirtschaft und damit unseren Wohlstand und unseren Lebensstandard.
Eine gute und kurze Übersicht, wo wir in Sachen Klimakrise und deren Lösung stehen, gibt der aktuelle Klima-Report der Scientists for Future Mainz.
Die nötige Transformation unseres gesellschaftlichen Handelns muss kraftvoll und schnell sein, um das Erforderliche bewirken zu können.
Diese großen Herausforderungen müssen auf allen politischen Ebenen, international, national, föderal und kommunal gemeistert werden. Jede mögliche Entscheidung muss uns der Klimaneutralität näher bringen.
Aus diesem Grunde wollen wir die gesellschaftliche Transformation zu Klimaneutralität im Wahlkampf zur Landtagswahl 2026 in Rheinland-Pfalz zum entscheidenden Thema machen.
Wir (Link zu Transparenzhinweis unten) haben dazu alle Direktkandidierenden für den Landtagswahlkreis 30 (Bingen am Rhein mit den Verbandsgemeinden Gau-Algesheim, Rhein-Nahe und Sprendlingen-Gensingen) gebeten, unseren klimapolitischen Fragebogen zu beantworten.
Alle 10 Direktkandidierenden haben unsere Fragen beantwortet.
Beim Klimagespräch am Donnerstag, den 5. März 2026 ab 19:30 im Stadtteilzentrum ZwoZwo in Bingen-Bingerbrück werden wir Ihnen die Methode und Ergebnisse unserer Auswertung der Antworten vorstellen.
Hierzu und zu anschließender Diskussion laden wir Sie sowie die Direktkandidierenden herzlich ein.
Unsere fünf Fragen:
Hier finden Sie die vollständigen, nicht pseudonymisierten Antworten der Kandidatinnen und Kandidaten jeweils in der Reihenfolge unseres Rankings (bei Ranggleichheit alphabetisch).
Antworten und Erläuterungen je Frage hatten wir auf 1.500 Zeichen inklusive Leerzeichen begrenzt.
2. Energiespeicher und Netzstabilität
3. Wärmewende im Gebäudebestand
1. Windenergie
Rheinland-Pfalz verfehlt seine Ausbauziele für Windenergie.
Genehmigungsverfahren dauern lange, Kommunen und Verbände blockieren Projekte, große Regionen sind tabu: der Biodiversitätsschutz verhindert den Ausbau im Pfälzerwald, der Kulturerbestatus den Ausbau im Oberen Mittelrheintal.
Wie wollen Sie angesichts dieser Interessenkonflikte gewährleisten, dass die Ausbauziele erreicht werden?
Neslihan Schmidt (Die Linke)
„Klar ist: RLP verfehlt seine Ziele. 2025 kamen netto nur 166 MW Windleistung hinzu – nötig wären 500 MW jährlich für die Klimaneutralität 2040. Die Genehmigungsdauer sank zwar von 40 auf 20 Monate, liegt aber über dem Bundesschnitt. Das reicht nicht.Die Linke setzt auf vier Hebel:
Erstens Demokratisierung: Bürgerenergiegenossenschaften als Standardmodell. Wo Bürger:innen und Kommunen Miteigentümer sind, sinkt der Widerstand. Die Akzeptanz für Windkraft liegt in RLP bei 89 % – das muss sich in echte Teilhabe übersetzen.
Zweitens verpflichtende kommunale Beteiligung: Brandenburg und NRW haben Beteiligungsgesetze mit festen Abgaben an umliegende Gemeinden. RLP braucht ein solches Landesgesetz, damit Wertschöpfung vor Ort bleibt.
Drittens Kosten senken durch Hybridparks: Wenn Wind, PV und Batteriespeicher gemeinsame Netzanschlusspunkte nutzen, sinken Infrastrukturkosten erheblich, die Netzauslastung steigt und der Speicherausbau wird direkt mitgedacht. Das spart Geld und beschleunigt den Ausbau.
Viertens Personaloffensive in den Genehmigungsbehörden und digitale Verfahren. Bayern genehmigt in unter 9 Monaten – das muss der Maßstab sein.
Zum Interessenkonflikt: Biodiversitätsschutz und Windkraft sind nicht zwangsläufig ein Widerspruch, wenn Repowering Vorrang hat und neue Flächen klug gewählt werden. Wer Windkraft blockiert, muss erklären, woher die Energie kommt und wer die Klimafolgekosten trägt. Nicht der Ausbau ist das Risiko, sondern das Nichtstun.“
Noëlle Walter (Volt)
„Rheinland-Pfalz braucht verbindliche Ausbauziele pro Region und feste Fristen für Genehmigungen.
Ich setze mich für ein landesweit einheitliches Genehmigungsverfahren mit klaren Ausschlusskriterien ein. Wenn Fristen überschritten werden, gilt Genehmigung als erteilt. Repowering muss Priorität haben: Alte Anlagen ersetzen, statt neue Flächen zu verbrauchen. Kommunen müssen verpflichtend finanziell beteiligt werden, nicht optional. Der Pfälzerwald wird politisch regelmäßig als pauschales Ausschlussargument gegen Windenergie missbraucht. Diese Gegenüberstellung von Klima- und Naturschutz ist wissenschaftlich nicht haltbar. Dürre, Hitze, Schädlingsbefall und Waldbrände zerstören Biodiversität deutlich schneller und umfassender als punktuelle Eingriffe durch Windenergieanlagen. Wer den Ausbau erneuerbarer Energien blockiert, verschärft aktiv den ökologischen Schaden, den er vorgibt verhindern zu wollen. Ich setze mich für klar definierte, differenzierte Schutz- und Nutzungszonen ein: strikter Schutz sensibler Kernbereiche, gleichzeitige Ermöglichung von Windenergie auf geeigneten Rand-, Vorbelastungs- und infrastrukturell erschlossenen Flächen. Pauschale Tabuzonen sind fachlich unpräzise und politisch bequem. Repowering bestehender Anlagen muss Priorität haben, um Flächenverbrauch zu minimieren. Genehmigungsverfahren brauchen verbindliche Fristen; Verzögerung aus politischer Konfliktvermeidung darf kein akzeptiertes Instrument bleiben.“
Matthias Müller (ÖDP)
„Klimaschutz, Natur und Gemeinwohl gehören zusammen. Als ÖDP-Kandidat setze ich auf Suffizienz und Qualität statt Flächenverbrauch: erst Repowering an Bestandsstandorten, dann maßvolle Erweiterung entlang bestehender Infrastrukturen. Sensible Räume – Kern‑ und Pflegezonen des Pfälzerwaldes sowie prägende Sichtachsen im Oberen Mittelrheintal – bleiben geschützt. Verfahren werden schneller und rechtssicher durch standardisierte Artenschutzprüfungen, digitale Beteiligung, One‑Stop‑Anlaufstellen und klare Fristen.
Bürgerenergie wird zum Standard: kommunale und genossenschaftliche Projekte erhalten Vorrang und eine faire Beteiligung der Standortkommunen; so bleiben Wertschöpfung und Akzeptanz vor Ort. Konflikte lösen wir früh durch Mediation mit Natur‑ und Denkmalschutz; Ausgleichs‑ und Biotopverbundmaßnahmen verbessern die ökologische Bilanz.
Mein Ziel ist eine naturverträgliche Windenergie, die regionale Unabhängigkeit stärkt, ohne Kultur‑ und Naturräume preiszugeben – konsequent am Gemeinwohl orientiert.“
Carsten Schröder (FDP)
„Wir Freie Demokraten stehen klar zu den Ausbauzielen für Erneuerbare, auch bei der Windenergie. Gleichzeitig nehmen wir Natur- und Kulturschutz ernst. Ziel muss sein, Konflikte durch bessere Planung, nicht durch Stillstand zu lösen.Wir setzen auf:
– vollständig digitale, netzbezogene Genehmigungsverfahren
– ein landesweites Flächenportal für Transparenz und Tempo
– Nutzung von Konversions-, Industrie- und Verkehrsflächenklare, rechtssichere Verfahren ohne Mehrfachprüfungen
Klimaschutz gelingt nur mit Akzeptanz. Deshalb wollen wir Bürgerenergie-Modelle stärken, damit Wertschöpfung vor Ort bleibt
Für uns gilt: Ausbau ja – aber technologieoffen, effizient und naturverträglich. Innovation und Planbarkeit sind der Schlüssel.“
Sebastian Hamann (SPD)
„Der Ausbau der Windenergie, insgesamt der erneuerbaren Energien, bleibt für mich ein zentrales Anliegen, um Klimaneutralität zu erreichen und auf Dauer bezahlbare Energiepreise zu gewährleisten. Genehmigungsverfahren sind bereits digitaler und einfacher geworden.
Rechtssicherheit und Effizienz sind dabei zentrale Grundlagen, um Projekte schneller umzusetzen.
Das Obere Mittelrheintal als auch der Pfälzerwald stehen nicht ohne Grund unter einem besonderen Schutz. Daher plädiere ich für die Nutzung bereits anderweitig tangierter Flächen, beispielsweise entlang von Verkehrsachsen. Auch Repowering, sprich der Ersatz alter Anlagen durch leistungsstärkere Windkraftanlagen erhöht die Leistung bei gleicher Anzahl an Standorten.
Zudem wurde in Rheinland-Pfalz nie zuvor so viel Strom durch PV erzeugt, so dass es in Summe die erneuerbaren Energien etwa zwei Drittel der Stromerzeugung ausmachen.
Insgesamt geht es um Ausgleich: Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger durch Einbindung in Prozesse, finanzielle Anreize für Kommunen und Wertschöpfung vor Ort sowie Ausgewogenheit
bei der Flächenplanung im Einklang mit Natur und Kultur.“
Doris Ackermann (BSW)
„Das BSW befürwortet grundsätzlich dezentrale und vorzugsweise regenerative Energieversorgung. Lange Übertragungsleitungen werden vermieden und Energie wird dort gewonnen, wo sie benötigt wird. Der Anschlag auf die Energieversorgung in Berlin hat nochmal verdeutlicht, wie wichtig die dezentrale Versorgung auch aus Sicherheitsaspekten ist.
Der Ausbau im Pfälzerwald und im oberen Mittelrheintal ist unseres Erachtens weniger bedeutend als zunächst angenommen. Energie sollte dort erzeugt werden, wo sie benötigt wird, das heißt dort wo Industrie angesiedelt ist und wo Menschen wohnen. Windkraft ist ein bedeutender Teil eines vielfältigen Energiemixes – und sollte dort, wo Windpotenzial, Umweltverträglichkeit und regionale Akzeptanz gegeben sind unbürokratisch umgesetzt werden.
Bürgerinnen und Bürger müssen bereits in frühe Planungsphasen einbezogen werden. Gleichzeitig müssen auch finanzielle Vorteile zu den Bürgern zurückfließen. Sprich ein Wandel von Anlagen des Windkraftbetreibers hin zu Anlagen der Kommunen. Dies eröffnet finanzielle Freiräume und erhöht die Akzeptanz bei Bürgerinnen und Bürgern. So könnte zum Beispiel die Finanzierung überwiegend über Wertanteile der Bürger erfolgen und so die Akzeptanz deutlich steigern. Beteiligte Bürger haben weniger Angst, dass der Wert des Eigenheims sinkt und moderne Windkraftanlagen werden weniger verteufelt.“
Michael König (CDU)
„Grundsätzlich sind Ausbauziele oftmals zeitlich zu kurz gefasst. Setzt RLP sich aber Ziele – dann sollte alles daran gesetzt werden diese zu erreichen. Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten immer mehr Regeln und Verbote auferlegt, welche letztlich zu einer Blockade der eigenen Ziele führt. Wir können auch nicht das eine Ziel gegen das andere Ziel ausspielen.
Windkraft ist eine der besten Alternativen, neben der Sonne, um Energie zu erzeugen. Daher müssen wir das Genehmigungsverfahren beschleunigen und entschlacken. Dort wo ein Windrad sinnvoll betrieben werden kann, sollen auch die Möglichkeiten geschaffen werden. Wenn wir die Energiewende ernst nehmen, müssen wir auch die Voraussetzungen schaffen. Planverfahren wie der Flächennutzungsplan, der Raumordnungsplan etc. müssen dahingehend optimiert werden Flächen zu schaffen für Windräder.“
Bastian Ruhl (unabhängiger Kandidat)
„Rheinland-Pfalz verfehlt seine Ausbauziele bei der Windenergie nicht wegen fehlender Technik oder fehlendem Willen, sondern weil wir in einer Bürokratiekrise stecken. Genau deshalb bin ich als Kandidat bekannt, der der Bürokratie den Kampf angesagt hat: Bürokratieabbau ist mein Kernthema. Zu viele Zuständigkeiten, Gutachten nacheinander statt parallel, uneinheitliche Vorgaben, Papierprozesse und doppelte Prüfungen sorgen für Unsicherheit und endlose Schleifen.
Während Genehmigungen in Deutschland oft viele Monate bis weit über ein Jahr dauern, schaffen andere Länder vergleichbare Verfahren deutlich schneller. Der Unterschied liegt nicht an „laxeren“ Standards, sondern an besserer Organisation: klare Zuständigkeiten, parallele Prüfungen, digitale Abläufe und verlässliche Fristen.
Ich will das ändern. Es braucht eine federführende Stelle mit einem Ansprechpartner, digitale Verfahren, verbindliche Fristen und Transparenz, wo ein Antrag hängt. Standards müssen landesweit einheitlich sein. Konflikte klären wir möglichst vor dem Antrag durch eine verlässliche Flächenplanung mit geprüften Natur- und Artenschutzdaten.
Im Pfälzerwald und im Oberen Mittelrheintal gilt: Klima-, Natur- und Artenschutz gehören zusammen. Was dort nicht vertretbar ist, wird nicht durchgedrückt. Dann setzen wir stärker auf Repowering und geeignete, bereits vorbelastete Räume. So werden Verfahren schneller, rechtssicher und gewinnen Akzeptanz vor Ort.“
Martin Rector (GRÜNE)
„Die Ausbauziele lassen sich m.A. nur erreichen, wenn die Verfahren schneller werden – wofür ich mich einsetzen werd! Auch müssen Konflikte frühzeitig moderiert werden: hierzu werde ich mich auch als MdL mit den Kommunen in Verbindung setzten. Kommunen sollen auch verstehen, wie sie von den Erneuerbaren profitieren! Auch will ich politische Prioritäten eindeutig setzten! Als GRÜNER liegen mir die Erneuerbaren sehr am Herzen!
Es geht aber nicht um ein „Entweder-Oder“ zwischen Naturschutz, Kulturerbe und Energiewende – sondern um eine strukturierte Abwägung mit klarer strategischer Steuerung hin zu mehr Erneuerbaren!“
Patric Berges (AfD)
„Gar nicht. Die „Energiewende“ in ihrer jetzigen Form ist ein milliardenschwerer Irrweg, der Strom teurer, unsicherer und oft umweltbelastender macht. Zudem ist Windkraft ohne Subventionen schlicht nicht rentabel. Jede große Anlage (200–250 m) braucht riesige Fundamente (3.000–5.000 m³ Beton + Stahl), vernichtet Flächen dauerhaft und fragmentiert Habitate. Rotorblatt-Abrieb setzt Mikroplastik frei (realistische Schätzungen: ca. 80–170 Tonnen bundesweit/Jahr). Dazu Tausende getötete Vögel und Fledermäuse (Fledermäuse: Schätzungen 200.000–300.000/Jahr), Insektenverluste und Lärm/Infraschall für Anwohner.
Speicher? Fehlanzeige
Wenn der Wind weht, oft Überschuss → negativer Strompreis, wir bezahlen unsere Nachbarn, den Überschuss abzunehmen. Bei Flaute: Fast nichts, egal wie viele Anlagen. Deutschland hat praktisch keine nennenswerten GWh-Speicher. Pumpspeicher in RLP geographisch schwierig und ökologisch fragwürdig. Kinetische Speicher werden ignoriert. Batteriespeicher teuer und technisch noch nicht weit genug entwickelt (Energiedichte,seltene Erden,usw)
Ergebnis: Mehr Windräder → mehr Instabilität → teure Gas-Reservekraftwerke (aktuell ca. 20 % unseres Bedarfs), oft mit importiertem Fracking-Gas per Schiff um die Welt.
Keine weitere Zerstörung von Heimatnatur (Pfälzerwald, Mittelrheintal etc.) für Windanlagen. Keine Subventionen für Technik, die wenig Sinn ergibt.“
2. Energiespeicher und Netzstabilität
Der massive Ausbau von Wind und PV droht am fehlenden Speicher- und Netzausbau zu scheitern, aktuell ist nicht absehbar, dass der Markt resiliente Versorgungsstrukturen schaffen wird.
Wie wollen Sie Versorgungssicherheit in einem System regenerativer Stromerzeugung sicherstellen?
Neslihan Schmidt (Die Linke)
„Der Markt allein wird es nicht richten. Versorgungssicherheit ist öffentliche Daseinsvorsorge – und darf nicht der Profitlogik privater Konzerne überlassen werden.
Die Linke fordert eine öffentliche Speicherstrategie auf Landesebene. RLP braucht ein Investitionsprogramm für kommunale und genossenschaftliche Speicherprojekte. Die ausgelaufene Landesförderung für Heimspeicher muss verstetigt und auf Quartierspeicher ausgeweitet werden. Hybridparks, die Wind, (Agri-)PV und Batteriespeicher an gemeinsamen Netzanschlusspunkten bündeln, senken Infrastrukturkosten und machen den Speicherausbau zum Bestandteil jedes neuen Erzeugungsprojekts. Zur saisonale Speicherung von Energie und in Industrieprozessen setzen wir auf grünen Wasserstoff in öffentlicher Hand. Pumpspeicher müssen erhalten und erweitert werden. Die Rekommunalisierung der Stromnetze wird geprüft und Netzentgelte sozial gestaffelt.
Netzstabilität heißt auch: Intelligente Nachfragesteuerung. Smart Meter können dazu beitragen – aber nur mit striktem Datenschutz, Kostendeckelung und dynamischen Tarifen, die tatsächlich bei den Verbraucher*innen ankommen. Weiterhin brauchen wir soziale Effizienzprogramme: Ein staatlich unterstützter Tausch von Altgeräten wie Kühlschränken oder Beleuchtung für einkommensschwache Haushalte senkt Stromkosten und CO2 zugleich. Auf Bundesebene setzt sich Die Linke weiterhin für die Einführung von Strompreiszonen ein, damit Regionen mit hoher EE-Erzeugung auch von günstigeren Preisen profitieren.“
Matthias Müller (ÖDP)
„Versorgungssicherheit entsteht aus Vielfalt, Flexibilität und Nähe. ÖDP‑Kurs heißt:
Suffizienz und Effizienz zuerst, dann Speicher und Netze. Ich starte eine Speicher‑Offensive für Kommunal‑ und Quartiersspeicher, große Wärmespeicher (Power‑to‑Heat) und Wasserstoff nur dort, wo regionale Industrien ihn tatsächlich brauchen.
Flexibilitätsmärkte vergüten netzdienliches Verhalten von Stadtwerken, Gewerbe, Rechenzentren und Bürgerenergieanlagen; Abregelungen werden durch intelligente Steuerung minimiert. Netzausbau wird gebündelt entlang vorhandener Trassen, mit Erdverkabelung, wo sinnvoll. Smart‑Meter‑Rollout, dynamische Tarife und Spitzenlastmanagement in öffentlichen Gebäuden erhöhen Effizienz.
Für Krisenfälle schaffen wir Inselnetz‑ und Notstromfähigkeit an Krankenhäusern, Leitstellen und Kommunalwerken. So entsteht ein robustes, dezentrales Energiesystem in Bürgerhand – bezahlbar, gemeinwohlorientiert und resilient.“
Bastian Ruhl (unabhängiger Kandidat)
„Versorgungssicherheit heißt, dass auch bei wenig Wind und Sonne Strom zuverlässig verfügbar ist. Dafür brauchen wir starke Netze, Speicher und flexible Verbraucher sowie eine Reserve für Ausnahmesituationen.
Wir beschleunigen den Netzausbau und nutzen vorhandene Leitungen besser. Das gelingt durch schnellere Genehmigungen, einheitliche Standards, Digitalisierung und konsequente Netzoptimierung.
Gleichzeitig machen wir Flexibilität wirtschaftlich. Batteriespeicher und Wärmespeicher gleichen Schwankungen aus und nutzen Überschüsse sinnvoll. Industrie und Gewerbe sollen Lasten leichter verschieben können. Netzdienliches Laden, Wärmepumpen und Speicher müssen über passende Tarife und Vergütungen so belohnt werden, dass Investitionen sich rechnen.
Für seltene, aber kritische Dunkelflauten organisieren wir eine bezahlte Reserve aus steuerbaren Kraftwerken, perspektivisch H2-fähig, plus der nötigen Infrastruktur. So bleiben Klimaschutz und Versorgungssicherheit vereinbar.“
Doris Ackermann (BSW)
„Ein resilientes Versorgungsystem basiert auf der Kombination aus räumlicher Verteilung (Wind/PV-Mix), grenzüberschreitendem Handel, Speichertechnologien (Batterien, Wasserstoff) und einer flexiblen Nachfrage (Lastmanagement).
Die Versorgungssicherheit erfordert massiven, beschleunigten Ausbau der Stromnetze mit gestrafften Planungsverfahren.
Die Speicherkapazitäten müssen erhöht werden. Kurzfristige Verfügbarkeitsschwankungen über max. mehrere Tage können beim Endverbraucher ausgeglichen werden. Der Ausgleich saisonaler Schwankungen lässt sich technisch durch Wasserstoffspeicher überwinden.
Hohe Investitionskosten verhindern wirtschaftliche Nutzung. Der Preis für den Strombezug wird derzeit anhand der Opportunität der Windanlage, den Strom am Strommarkt zu verkaufen, bestimmt. Wir schlagen deshalb vor, die kartellartigen Strukturen am Energiemarkt aufzubrechen.
Für den Aufbau der notwendigen Elektrolyse-Infrastruktur werden die Investitionskosten staatlich finanziert, überschüssiger Strom (nur der überschüssige) wird kostenlos bereitgestellt und erlaubt somit die Produktion von Wasserstoff als Energiespeicher.
Öffentliche Fördermittel zum Aufbau der Wasserstoffproduktion in Rheinland-Pfalz sollten vorrangig an kleine und mittlere Unternehmen und Betriebe gehen.“
Sebastian Hamann (SPD)
„Netze und Speicher müssen konsequent ausgebaut werden. Hierzu zählen Großbatteriespeicher, ggf. Pumpspeicher und Wasserstoffspeicher. Dazu müssen zudem die Netze intelligent gestaltet werden. Flexible Tarife und digitale Steuerung sind notwendig, um Überschüsse aus erneuerbaren Energien vernünftig zu nutzen. Dies bedingt massive Investitionen in unsere Infrastruktur. Bei allem gilt es die Verbraucher in Wirtschaft und Eigenheim einzubinden.“
Noëlle Walter (Volt)
„Erneuerbarer Strom ist nicht immer dann da, wenn wir ihn brauchen. Wenn viel Wind weht oder Sonne scheint, gibt es zu viel Strom und später zu wenig. Das Problem ist lösbar, aber nur mit guter Planung.
Ich setze mich dafür ein, dass Strom vor Ort gespeichert wird, zum Beispiel in großen Batteriespeichern oder in Quartieren. Neue Wohngebiete sollen von Anfang an so geplant werden, dass sie Strom speichern und intelligent nutzen können.
Außerdem müssen Stromnetze schneller ausgebaut und besser gesteuert werden. Wenn Verbrauch und Erzeugung besser aufeinander abgestimmt sind, brauchen wir weniger fossile Reservekraftwerke. Versorgungssicherheit entsteht nicht durch Zurückdrehen der Energiewende, sondern durch kluge Technik und klare politische Entscheidungen.“
Michael König (CDU)
„Wir müssen flächendeckend Speichermöglichkeiten schaffen. Nicht nur in großen Unternehmen sondern auch bei dem aufstellen von Bebauungsplänen muss an diese Themen gedacht werden. In Zukunft kommen wir ohne genügend Speicherplatz nicht aus. Daher bin ich für kommunale Versorgungsansätze welche aber überregional ebenfalls vernetzt sind. Bei der Gestaltung von neuen Gewerbegebieten muss darauf geachtet werden, dass diese sich autonom mit Energie versorgen können. Dabei spielt die Netzstabilität eine große Rolle um Schwankungen auszugleichen.“
Martin Rector (GRÜNE)
„Ich sehe folgende Zusammenhänge: Versorgungssicherheit in einem regenerativen Stromsystem entsteht durch
sichere Netze + genügend große Speicher + flexible Stromerzeugung. Auch die Nachfragesteuerung kann hilfreich sein. Ich setze mich für eine stärkere europäische Integration von Netzen und Versorgung ein und will im pol. Rahmen auch marktliche Anreize setzen. Wobei der Markt allein die notwendigen Strukturen nicht in ausreichendem Tempo schaffen kann. Daher braucht es einen klaren regulatorischen Rahmen, Investitionssicherheit und staatliche Koordination! Ein System mit Erneuerbaren kann sicher sein, davon bin ich überzeugt und werde mich dafür einsetzen!“
Carsten Schröder (FDP)
„Ein erneuerbares Energiesystem braucht Speicher, Netze und Flexibilität. Wir verstehen sektorübergreifende Speicherung als strategische Zukunftsaufgabe.Wir setzen auf:
– gezielte Förderung neuer Speichertechnologien
– Ausbau von Großspeichern für Strom und Wärme
– Kopplung von Wind & PV mit Speichern, Biogas und Wasserstoff
– technologieoffene Wasserstoffstrategie
– marktwirtschaftliches Netzmanagement
Versorgungssicherheit entsteht durch Vielfalt: Sonne, Wind, Wasserstoff, Speicher, neue Reaktorkonzepte.
Innovation, Innovation, Innovation – nur so bleibt unser Energiesystem resilient und klimafreundlich.“
Patric Berges (AfD)
„Ohne technisch ausgereifte Speicher kann man keine Versorgungssicherheit, in einem System regenerativer Stromerzeugung, sicherstellen. Physik ist nun mal Physik und hört nicht auf ideologische Wunschvorstellungen. Ohne Speicher bleiben nur grundlastfähige Reservekraftwerke.“
3. Wärmewende im Gebäudebestand
Die Wärmewende stockt vor allem im Altbau, bei Mehrfamilienhäusern und Wohnungseigentümergemeinschaften; Sanierungsquoten bleiben niedrig, Fernwärme kommt kaum voran.
Was ist Ihr Plan, die Wärmewende in Rheinland-Pfalz so zu beschleunigen, dass die Klimaziele auch im Wärmesektor erreicht werden?
Doris Ackermann (BSW)
„Der Weg zur Wärmewende in Rheinland-Pfalz, vor allem bei komplexen Eigentumsverhältnissen, erfordert Unterstützung durch finanzielle Förderung, kostenfreie Beratungen und regulatorische Erleichterungen.
Für Hauseigentümer mit geringem Einkommen und für junge Familien fordern wir ein Sonderfinanzierungsprogramm: „Wohnen Sozial“, für Investitionen in energetische Sanierungen.
Wir werden kommunale Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften als gemeinnützige Investoren bei der Sanierung und dem Erhalt sowie dem Neubau von mehr öffentlichem Wohnraum fördern.
Das Land Rheinland-Pfalz muss Städte und Gemeinden bei der Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung effizient unterstützen. Die verpflichtende kommunale Wärmeplanung muss durch das Land RLP aktiv forciert und finanziell unterstützt werden. Die Beschleunigung wird durch eine engere Verzahnung der Wärmeplanung mit konkreten Umsetzungsmaßnahmen in den Kommunen erreicht, um Unsicherheiten bei Eigentümern zu beseitigen.
Sie gibt Eigentümern Planungssicherheit, ob ein Haus an ein Wärmenetz angeschlossen wird oder eine individuelle Lösung nötig ist. In dicht besiedelten Gebieten müssen Wärmenetze zügig ausgebaut werden, um Mehrfamilienhäuser und Wohnungseigentümergemeinschaften kosteneffizient an erneuerbare Wärme (Geothermie, Abwasserwärme) anzuschließen. Rheinland-Pfalz hat zusätzliches Potenzial durch Industrieabwärme.
Das WEG-Recht muss überarbeitet werden, um individuelle Sanierungspläne der Eigentümer zu erleichtern.“
Bastian Ruhl (unabhängiger Kandidat)
„Die Wärmewende klappt im Gebäudebestand nur, wenn sie einfacher und planbar wird, gerade im Altbau, in Mehrfamilienhäusern und bei Wohnungseigentümergemeinschaften. Heute scheitert es oft nicht am Willen, sondern an Unsicherheit („Kommt bei uns Fernwärme?“), komplizierten Entscheidungen und zu viel Papier.
Darum setze ich auf drei Schritte. Erstens schafft jede Kommune Klarheit durch einen Wärmeplan, der verständlich zeigt, welche Lösung wo realistisch ist, also Wärmenetz, Wärmepumpe oder eine gemeinsame Quartierslösung. Das ist Orientierung und Planungssicherheit, kein Zwang von heute auf morgen.
Zweitens muss Infrastruktur schneller umgesetzt werden. Wärmenetze und die dazugehörige Erzeugung behandeln wir wie wichtige Infrastruktur. Das heißt schneller planen, einfacher genehmigen, Förderzugänge vereinfachen und Projekte bündeln. Dafür setzen wir auf Abwärme, Großwärmepumpen, Geothermie und nachhaltige Biomasse.
Drittens machen wir Sanierung und Umstellung einfacher. Statt Maßnahmen-Dschungel brauchen wir Standardpakete mit klarer Wirkung, zum Beispiel Dach und Kellerdecke, Heizungsoptimierung und hydraulischer Abgleich. Für Mehrfamilienhäuser und WEGs schaffen wir eine zentrale Anlaufstelle, die Technik, Kosten, Förderung und Beschlussvorlagen aus einer Hand liefert.
Dazu bauen wir Qualifizierung im Handwerk aus. Wichtig ist auch, dass Förderung und Regeln so gestaltet sind, dass Modernisierung möglich ist, ohne Mieterinnen und Mieter zu überfordern.“
Neslihan Schmidt (Die Linke)
„Die Wärmewende ist die größte soziale Herausforderung der Energiewende: Heizung und Warmwasser verursachen rund ein Drittel der CO₂-Emissionen, und die Kosten treffen Mieter*innen am härtesten.
Die Linke fordert deshalb, die Modernisierungsumlage zu deckeln und ein Landesförderprogramm für einkommensschwache Eigentümer und Wohnungseigentümergemeinschaften aufzulegen, die Bundesförderung allein nicht stemmen können.
Kommunale Wärmenetze in öffentlicher Hand sind der Schlüssel – sie ermöglichen eine effiziente, sozial gesteuerte Versorgung ganzer Quartiere. Die kommunale Wärmeplanung muss mit ausreichend Landesmitteln unterfüttert werden und darf keine Pflichtübung auf dem Papier bleiben. Bei den Wärmequellen setzen wir auf Technologieoffenheit: Neben Großwärmepumpen und Solarthermie bietet die Pyrolyse von Landschaftspflege- und Restholz eine besonders zukunftsträchtige Option. Sie erzeugt Wärme für Nahwärmenetze und produziert gleichzeitig Pflanzenkohle, die CO₂ über Jahrhunderte bindet – ein klimapositives Verfahren, das der Atmosphäre aktiv Kohlenstoff entzieht. Entscheidend ist die sinnvolle Standortwahl: Bürgerverträgliche Standorte um regionale Kreisläufe aufzubauen und nachhaltige Geschäftsmodelle zu fördern, die Wärmeversorgung, Klimaschutz und Bodenfruchtbarkeit verbinden.
Das Land muss bei öffentlichen Gebäuden Vorbild sein, und eine Fachkräfteoffensive im Handwerk gehört zwingend dazu – denn ohne Installateure keine Wärmewende.“
Matthias Müller (ÖDP)
„Die ÖDP stellt Sanieren vor Heizen: Wärmebedarf senken, dann sauber decken.
Grundlage ist eine verbindliche kommunale Wärmeplanung in allen Städten und Verbandsgemeinden. Quartiere haben Vorrang: Wärmenetze der 4. Generation mit Solarthermie, Großwärmepumpen und nutzbarer Abwärme aus Industrie und Klärwerken – getragen von Kommunen und Genossenschaften. Fördermittel werden mit klaren Sozialleitplanken kombiniert: Härtefallfonds, Aufstockung zu Bundesprogrammen und Warmmieten‑Neutralität als Förderkriterium.
Genehmigungen für Wärmepumpen und energetische Sanierungen beschleunigen wir, Beratung erfolgt niedrigschwellig über One‑Stop‑Shops und digitale Sanierungsfahrpläne. Ressourcenschutz gehört dazu: Holz primär stofflich nutzen, Gebäudebegrünung und Regenwassermanagement fördern, Ortsbilder und Denkmäler respektieren. So wird die Wärmewende planbar, bezahlbar und gerecht – mit hoher Akzeptanz vor Ort.“
Noëlle Walter (Volt)
„Viele Menschen wollen klimafreundlich heizen, wissen aber nicht wie oder können es sich nicht leisten. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein politisches Problem.
Ich will, dass jede Kommune verbindlich plant, wie künftig geheizt wird: mit Fernwärme, Wärmenetzen oder anderen klimafreundlichen Lösungen. Ohne solche Pläne werden Menschen allein gelassen und treffen teure Fehlentscheidungen.
Gerade in Mehrfamilienhäusern braucht es einfachere Regeln, damit gemeinsam entschieden werden kann. Klimaschutz darf nicht daran scheitern, dass eine Eigentümerversammlung blockiert ist.
Förderungen müssen sich am Einkommen orientieren, damit niemand durch steigende Heizkosten verdrängt wird. Wärmewende heißt: klare Pläne, faire Kostenverteilung und Lösungen, die für normale Haushalte machbar sind.“
Martin Rector (GRÜNE)
„Ich und meine Partei verfolgen diese Strategie:
Kommunen bei der Planung aktiv zu unterstützen, z.B. in dem das Land Investitionen absichert.
Eigentümer unterstützten, in dem die geltenden Fördermöglichkeiten aktiv beworben werden. Z.B. auch durch Informationsveranstaltungen.
Dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, z.B. durch die Förderung von Ausbildungsmessen.
Die größte Bremse ist nicht die Technik – sondern die Komplexität der Neuausrichtung.
Mein Plan zielt deshalb darauf ab, Prozesse zu vereinfachen, Risiken zu reduzieren und Investitionen planbar zu machen.“
Sebastian Hamann (SPD)
„Sanierungen im Bestand, insbesondere von Altbauten sind oftmals komplex und damit mit hohen Kosten verbunden. Daher steht für mich auch der sozialverträgliche Aspekt für Mieterinnen und Mieter und ebenso für die Eigentümer im Fokus. Daher sollten dem Objekt angepasste und praktikable Technologien zum Einsatz kommen und praxisorientiert saniert werden.
Einen großen Anteil am Erfolg wird die kommunale Wärmeplanung haben. Hierzu braucht es die nötigen Fachkräfte und Beratungsangebote für die Kommunen. Die Wärmewende muss
ökologisch wirken und dabei sozialverträglich sein.“
Michael König (CDU)
„Die Frage ist doch, warum Fernwärme nicht voran kommt. Auch hier stehen oft gesetzliche Vorgaben im Weg. Schon heute könnten Neubaugebiete durch Nahwärme versorgt werden. Dabei müsste dann aber ein Anschlusszwang zu Grunde liegen. Dieser gibt es aber nicht in den meisten Neubaugebieten. Solange noch Gasleitung gelegt werden erübrigt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit. Auch müsste es eine staatliche Unterstützung geben, welche vielleicht über Steueranreize gestützt wird. Aber die Versorgung mit Erdwärme etc. muss einfacher werden und das Antragsverfahren schneller und effektiver werden.“
Carsten Schröder (FDP)
„Die Wärmewende im Altbau braucht Realismus statt Verbote. Wir wollen Bürokratie abbauen und Investitionen erleichtern.
Unser Ansatz:
– Nutzung von Tiefen- und Oberflächengeothermie
– stärkere Nutzung industrieller Abwärme
– technologieoffene Wärmeplanung ohne unnötige Fortschreibungspflichten
– Förderung innovativer Speicherlösungen
Wir stehen zum marktwirtschaftlichen Klimaschutz mit CO₂-Bepreisung als Leitinstrument. Die Wärmewende muss wirtschaftlich tragfähig sein: für Eigentümer, Mieter und Mittelstand. Klimaschutz gelingt nur, wenn er Innovation ermöglicht statt sie abzuwürgen.“
Patric Berges (AfD)
„Die sogenannte Wärmewende stockt genau deswegen, weil sie ideologisch erzwungen und unbezahlbar ist: Sanierungsquote stagniert bei unter 1 % (2024: ca. 0,7 %), Fernwärme kommt kaum voran, Altbauten und WEGs scheitern an horrenden Kosten und Bürokratie.
Mein realistischer Plan für Rheinland-Pfalz wäre:
Abschaffung des Heizungshammers (GEG §71): Kein Zwang zu Wärmepumpen oder 65-%-EE-Vorgaben – Technologieoffenheit statt Verbotspolitik. Bürger entscheiden selbst (Gas, Öl, Holz, Fernwärme, Hybrid).
CO₂-Preis abschaffen!
Förderung umlenken: Statt teurer Wärmepumpen-Zwangssubventionen → Günstige Kredite/Tilgungszuschüsse für freiwillige Sanierungen (Dämmung, Fenster, effiziente Brennwerttechnik) – besonders in Altbau und Mehrfamilienhäusern.
Fernwärme nur pragmatisch fördern: Wo machbar (Städte, dichte Quartiere) Ausbau beschleunigen – aber ohne Enteignung oder Anschlusszwang. Kommunen entscheiden vor Ort.
Bürokratie abbauen: Vereinfachte Genehmigungen, weniger Gutachten für WEGs, einheitliche Landesregelungen statt Flickenteppich.
Keine unrealistischen Klimaziele: Ich priorisiere bezahlbare, sichere Wärme statt ideologische Klimaneutralität um jeden Preis.“
4. Klimawandelfolgen
Die für Rheinland-Pfalz wichtige Forst- und Landwirtschaft ist von intakten Ökosystemen abhängig, doch Waldschäden, Wasserknappheit, Bodenversiegelung und damit verbundene Nutzungskonflikte nehmen zu.
Welche Priorität hat für Sie der Klima- und Biodiversitätsschutz gegenüber kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen?
Matthias Müller (ÖDP)
„Ich folge dem Vorsorgeprinzip: Klima‑ und Biodiversitätsschutz haben Vorrang, weil sie unsere Lebensgrundlagen sichern.
Im Wald setzen wir auf standortgerechte, naturnahe Mischwälder, mehr Naturwald und eine angepasste Jagd; Holz wird vorrangig stofflich genutzt. Wasser sichern wir durch Entsiegelung, Auen‑ und Moorrenaturierung sowie Rückhalt in der Fläche; in Dürreperioden hat Trinkwasser Priorität.
Ziel ist Netto‑Null‑Flächenverbrauch, mit Innenentwicklung vor Außenentwicklung und einem Entsiegelungsfonds für Kommunen.
In der Landwirtschaft fördern wir Ökolandbau, vielfältige Fruchtfolgen, Agroforst, Humusaufbau und einen gezielten Pestizid‑/Nährstoffeinsatz; regionale Wertschöpfungsketten werden gestärkt.
Klimaanpassungspläne in allen Kommunen sorgen für Schatten, Grün‑ und Blaustrukturen, Hitze‑ und Starkregenvorsorge sowie einen schlagkräftigen Katastrophenschutz – getragen von professionellen Kräften und Ehrenamt.“
Neslihan Schmidt (Die Linke)
„Die Frage suggeriert einen Gegensatz, der nur bei oberflächlicher Betrachtung einer ist. Klima- und Biodiversitätsschutz sind keine Bremse für die Wirtschaft – sie sind deren Voraussetzung.
Wer das bezweifelt, muss nur ins Ahrtal schauen: 186 Tote, über 40 Mrd. € Schäden – allein durch ein Ereignis. Bundesweit haben Klimawandelfolgen seit 2000 mindestens 145 Mrd. € gekostet, Tendenz stark steigend. Das DIW beziffert das Nutzen-Kosten-Verhältnis von Klimaschutzmaßnahmen auf 1,8 bis 4,8: Jeder investierte Euro spart also das Doppelte bis Fünffache an Folgekosten.
Rheinland-Pfalz ist das waldreichste Bundesland – und genau deshalb besonders verwundbar: 81% der Bäume sind geschädigt, 54.000 Arbeitsplätze im Cluster Holz hängen direkt von intakten Wäldern ab. Gleichzeitig versiegeln wir über 7 Hektar am Tag – siebenmal mehr als das Landesziel. Jeder versiegelte Hektar fehlt als CO₂-Senke, als Wasserrückhalt, als Lebensraum.
Wir setzen uns daher für ein verbindliches Netto-Null-Versiegelungsziel im Landesentwicklungsplan, Schwammstadt-Konzepte als Pflicht in der kommunalen Bauleitplanung und einen beschleunigten Waldumbau zu klimaresilienten Mischwäldern in öffentlicher Hand ein. Kurzfristige Wirtschaftsinteressen, die Ökosysteme zerstören, vernichten langfristig Wohlstand. Wer heute bei Klimaanpassung spart, lässt morgen andere die Rechnung zahlen – und die Ärmsten zahlen zuerst.“
Doris Ackermann (BSW)
„Wir verstehen den Schutz der Ökosysteme in Rheinland-Pfalz nicht als Gegensatz, sondern als langfristige Voraussetzung für die Erträge der forst- und landwirtschaftlichen Betriebe. Wichtig ist eine Balance zwischen Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Sozialverträglichkeit.
Umwelt- und bodenschonende Techniken und Anbausysteme sind eine Investition in die Zukunft des Landes. Landwirtschaftliche Schulen, Dienstleistungszentren sowie wissenschaftliche Einrichtungen müssen stärker vernetzt und finanziell unterstützt werden. Auch die Feldwirtschaft verlangt nach neuen Impulsen. Weniger Monokulturen, vielfältige Fruchtfolgen, Blühflächen, Feldränder und mehr kleinteilige Strukturen stärken das Ökosystem und fördern Insekten- und Artenvielfalt. In Regionen wie Rheinhessen könnten zusätzliche Wäldchen Winderosion verhindern und Tieren Schutz bieten. Die Förderung trockenresistenter Arten und klimastabiler Mischwälder sind weitere Bausteine. Eine naturnahe Forstwirtschaft sehen wir als Garant für Wertschöpfung, Biodiversität und Klimaschutz.
Gleichzeitig setzen wir uns für die gezielte Förderung junger LandwirtInnen, erleichterte Betriebsübernahmen und eine Senkung der steuerlichen Belastungen ein.
Eine besondere Bedeutung für Rheinland-Pfalz hat auch der Weinbau, der nicht nur landschaftsprägend, sondern auch dem Erosionsschutz und der Artenvielfalt dient. Neue pilzwiderstandsfähige Rebsorten sowie flexiblere Regularien könnten Winzerinnen und Winzern helfen.“
Noëlle Walter (Volt)
„Die Folgen des Klimawandels sind in Rheinland-Pfalz längst spürbar: trockene Böden, kaputte Wälder, Hochwasser und Hitze in den Städten. Wir müssen handeln und zwar jetzt.
Ich setze mich dafür ein, dass Wasser länger in der Landschaft bleibt, statt schnell abzufließen. Flüsse brauchen wieder mehr Raum, versiegelte Flächen müssen aufgebrochen werden. Das schützt vor Hochwasser und hilft in Dürrezeiten.
Wälder und landwirtschaftliche Flächen müssen widerstandsfähiger werden. Kurzfristiger Profit darf nicht wichtiger sein als gesunde Böden und stabile Ökosysteme. Natur zu schützen heißt, unsere Lebensgrundlagen zu sichern, für heute und für die nächsten Generationen.“
Michael König (CDU)
„Meiner Meinung nach kommt der Klimawandel mit großen Schritten. Wir müssen uns Gedanken machen wie wir Zukunft gestalten und aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Die Fehler sind erkannt und wir sind da auf einen guten Weg. Wobei mir aus dem Klimawandel noch mehr lernen müssten. Starkregenereignisse, steigender Meeresspiegel werfen schon die Frage auf wo in Zukunft gebaut werden soll. Der Klimawandel wird Gewinner und Verlierer hervor bringen. Wir müssen heute schon auf morgen setzen und unsere Wälder fit machen. Durch Baumarten und andere Pflanzen welche besser an das neue Klima angepasst sind. Wasser für trockene Zeiten aufbewahren und dieses dann nutzen. Warum lassen wir das Regenwasser welches im Trennsystem, im Kanal, einfach wegfließen. Warum halten wir es nicht in den Kommunen, um es dort versickern zu lassen. Wasserknappheit wird sicherlich das größte Problem der Menschheit in Zukunft. Manchmal hilft da ein Blick in die Vergangenheit – wie Wasser sinnvoll verteilt und gesammelt wurde.
Wir müssen dort anfangen wo wir zu Hause sind. In unseren Gärten, in den Kommunen. Städte entsiegeln und grüne Zonen schaffen. Bebauungspläne aufstellen welche nicht nur Grundstück an Grundstück aneinander reihen, sondern größere Grünflächen mit einplanen. Lebensraum schaffen für Tiere und Pflanzen. Grade Insekten müssen wir mehr in den Fokus nehmen. Hierfür kann jeder etwas machen!
Politik muss Anreize schaffen – ohne Verbotsregeln immer weiter auszubauen. Die Menschen mitnehmen!“
Bastian Ruhl (unabhängiger Kandidat)
„Ich denke in Generationen. Wirtschaftliche Entwicklung ja, aber nur, wenn sie dauerhaft ist. Wo kurzfristige Rendite gegen Klimaresilienz und Biodiversität steht, hat die langfristige Stabilität Vorrang.
Ich möchte den Zielkonflikt zwischen Flächenverbrauch, Natur- und Klimaschutz sowie kommunaler Planung an einem konkreten Beispiel greifbar machen. Ich setze mich aktiv für die Petition „Kein Wertstoffhof an der L415 – für Sicherheit und Natur im Welzbachtal!“ ein. Nach meinem Eindruck soll hier aufgrund politischer Fehlplanungen und eines nicht ausreichend transparenten Prozesses eine neue Fläche versiegelt werden. Das ist aus meiner Sicht das falsche Signal.
Das Land muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass Versiegelung in schützenswerten Bereichen praktisch ausgeschlossen wird. Das gelingt über verbindliche Kriterien, frühe Transparenz- und Beteiligungsstandards sowie die Pflicht, Alternativen ernsthaft zu prüfen. Außerdem plädiere ich für regionale Lösungen, also interkommunale Wertstoffhöfe und eine bessere Auslastung bestehender Standorte, statt vieler Einzelprojekte. Klima- und Naturschutz sind keine Luxusziele, sondern Voraussetzung für Lebensqualität und langfristige wirtschaftliche Stabilität.“
Martin Rector (GRÜNE)
„Klimaschutz und Biodiversitätsschutz sind keine Nebenbedingungen, sondern die Grundlagen wirtschaftlicher Stabilität. Für Rheinland-Pfalz, mit seiner starken Forst- und Landwirtschaft, gilt: Ohne intakte Wälder, gesunde Böden und gesicherte Wasserverfügbarkeit gibt es weder langfristige Wertschöpfung noch Versorgungssicherheit. Deshalb haben Klima- und Biodiversitätsschutz für mich absolute Priorität gegenüber kurzfristigen ökonomischen Einzelinteressen – gerade um die wirtschaftliche und natürgegebene Substanz unseres Landes zu erhalten.“
Carsten Schröder (FDP)
„Klima- und Biodiversitätsschutz sind für uns keine Gegensätze zu wirtschaftlicher Entwicklung, sondern deren Grundlage.Nachhaltigkeit verstehen wir als Freiheitsversprechen: ökologische Vernunft, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Freiheit gehören zusammen. Wir setzen auf:
– technologieoffene Umweltpolitik
– Förderung von Umwelttechnologien und Forschung
– praxisnahe Klimaanpassung in Landwirtschaft und Weinbau
Kurzfristige wirtschaftliche Interessen dürfen nicht langfristige Lebensgrundlagen zerstören. Aber ebenso wenig darf Klimaschutz Innovation und Wettbewerbsfähigkeit blockieren.
Unser Weg: wissenschaftsbasiert, marktwirtschaftlich, zukunftsoffen.“
Sebastian Hamann (SPD)
„Kurzfristige wirtschaftliche Interessen dürfen Klima- und Biodiversität nicht dauerhaft schädigen.
Der Schutz ist daher für mich elementar. Nachhaltige Bewirtschaftung, Bodenschutz und Klimaresilienz sind daher große Herausforderungen. Wichtig ist, dass eine wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes nicht dem Klimaschutz und der Artenvielfalt entgegen steht, sondern in einer Hand erfolgen. Durch Forschung und Dialog.“
Patric Berges (AfD)
„Naturschutz ist Heimatschutz. Und wir dürfen unsere Natur, unsere Wälder und unsere Artenvielfalt nicht weiter ideologischer Klimapolitik opfern. Bau von Windkraft vor allem in Wäldern sofort stoppen. Solar lieber über Parkplätzen anstelle von landwirtschaftlichen Flächen und auch nur wenn wir bei den Speichern vorankommen. Kurz, der Erhalt leistungsfähiger Forst- und Landwirtschaft hat absolute Priorität – sie sichert Jobs, regionale Versorgung, Heimat und Kulturlandschaft. Intakte Ökosysteme sind dafür unverzichtbar, doch ideologische Klimapolitik (Green Deal, CO₂-Abgaben, Stilllegungen) schadet genau diesen Branchen massiv. Waldschäden (Dürre, Borkenkäfer) entstehen durch Fehlbewirtschaftung und Klimapanik, nicht primär durch CO₂. Deswegen bin ich für nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft mit klimastabilen Mischwäldern, statt Flächenstilllegung oder Windkraft im Wald.
Ich lehne PV-/Wind-Ausbau auf Acker- und Waldflächen ab, dieser verschärft Nutzungskonflikte und zerstört produktive Böden.
Biodiversität würde ich pragmatisch durch eine naturnahe Bewirtschaftung, regionale Betriebe und Holz als CO₂-Senker und nicht durch ideologische 30%-Stilllegungen oder EU-Überregulierung schützen.
Bürokratieabbau, Förderung heimischer Produktion anstatt Klimahysterie.
Kurzfristige wirtschaftliche Interessen unserer Förster und Bauern stehen also vor – nur starke Betriebe pflegten und pflegen langfristig Ökosysteme.“
5. Mobilität
Rheinland-Pfalz hat eine der höchsten PKW-Dichten bundesweit; Rad- und Fußverkehr sind vielerorts unsicher, Bus- und Bahnangebote werden ausgedünnt.
Wollen Sie den motorisierten Individualverkehr aktiv zurückdrängen – und wenn ja, wie wollen Sie eine klimaneutrale, bedarfsgerechte Mobilität erreichen? Wenn nein, warum soll für Sie das Auto Leitverkehrsmittel im Land bleiben?
Neslihan Schmidt (Die Linke)
„Ja, der motorisierte Individualverkehr muss zurückgedrängt werden – indem die Alternativen so gut werden, dass Menschen freiwillig umsteigen. RLP hat die zweithöchste Pkw-Dichte aller Bundesländer – das ist kein Ausdruck von Freiheit, sondern von fehlenden Alternativen. Der Schlüssel liegt im ÖPNV: Dieser verzeichnet Fahrgastzuwachs seit Einführung des Deutschlandtickets, kann den Bedarf aber nicht decken, wie Pendler tagtäglich feststellen. Verlässliche Angaben zu Verspätungen sind das Minimum.
Perspektivisch muss der ÖPNV kostenlos werden – als Schritt dorthin fordern wir ein Sozialticket und ein 365-€-Jahresticket für alle. Jeder Ort braucht eine ÖPNV-Garantie mit mindestens stündlicher Anbindung, im ländlichen Raum auch durch On-Demand-Shuttles.
Stillgelegte Strecken müssen reaktiviert werden.
Autofreie Innenstädte sind überall wo sie gegen ideologische Vorbehalte umgesetzt werden, ein voller Erfolg – nicht nur in Großstädten, sondern auch in kleineren Ortschaften. Mehr Aufenthaltsqualität, mehr Umsatz im Einzelhandel, weniger Lärm und Abgase. Das Land muss Kommunen dabei aktiv unterstützen.
Wo das Land eine Parkraumabgabe erheben kann, steigt diese exponentiell mit der Fahrzeuggröße. Wer öffentlichen Raum für sich alleine beansprucht, muss dafür angemessen zahlen.
Beim Radverkehr liegt RLP mit 8 % Modal Split weit zurück. Wir brauchen geschützte Radwege an allen Landesstraßen, Ausbau der Pendler-Radrouten und Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit.“
Matthias Müller (ÖDP)
„ÖDP‑Leitlinie ist: Vermeiden vor Verlagern vor Verbessern. Ich will den motorisierten Individualverkehr maßvoll reduzieren und Mobilität für alle verbessern. ÖPNV als Daseinsvorsorge erhält Vorrang: dichtere Takte, Anschlussgarantien, On‑Demand‑Verkehre im ländlichen Raum und – wo sinnvoll – Reaktivierung von Bahnstrecken. Rad‑ und Fußverkehr werden sicher, lückenlos und barrierefrei; gefährliche Kreuzungen entschärfen wir konsequent. Kommunen bekommen wirksame Instrumente für flächengerechte Straßenräume und ein faires Parkraummanagement mit Kostenwahrheit; City‑Logistik läuft über Mikro‑Hubs und Lastenräder. Sharing‑Angebote in kommunaler oder genossenschaftlicher Trägerschaft ergänzen Bus und Bahn. Saubere Antriebe unterstützen wir dort, wo sie den Umweltverbund stärken. Ergebnis: weniger Lärm und Stau, mehr Lebensqualität – und echter Klimanutzen durch vernünftige, suffiziente Mobilität.“
Doris Ackermann (BSW)
„Öffentlicher Personenverkehr ist ökologisch und volkswirtschaftlich betrachtet sinnvoller als Individualverkehr und daher anzustreben. Gleichzeitig ist im Flächenland Rheinland-Pfalz das Auto für viele Berufstätige das wichtigste oder sogar manchmal das einzige alltagstaugliche Fortbewegungsmittel. Wir brauchen einen sinnvollen Mix aller Verkehrsmittel.
Der Schienen-ÖPNV ist unzuverlässiger denn je: Verspätungen, Zugausfälle, technische Probleme. Dies betrifft leider auch die Umweltverträglichkeit der Schienenfahrzeuge. Großmotoren der Diesellokomotiven haben weniger strikte Emissionsvorschriften als PKWs. Daher ist die Elektrifizierung des Schienenverkehrs (in RLP nur 46 %) ein ebenso wichtiges Ziel, wie die Elektrifizierung der PKWs. Erheblich höhere Investitionen zur Sanierung und Elektrifizierung des Schienennetzes sind nötig.
Der derzeitige Mangel an Zuverlässigkeit zusammen mit hohen Fahrpreisen resultiert in mangelnder Attraktivität gegenüber dem PKW.
Wir fordern:
– Elektrifizierte Fahrzeuge auf Schienen und Straßen
– Deutschlandticket für 9€ und für Schüler kostenlos
– Ausreichend öffentliche Ladesäulen für Elektrofahrzeuge
– Sichere und gut ausgebaute Radwege, gut zugängliche Radabstellanlagen an Bahnhöfen, Haltestellen und anderen öffentlichen Orten
– Kostenlose Pendlerparkplätze an Autobahnauffahrten und Bahnhöfen“
Bastian Ruhl (unabhängiger Kandidat)
„Ja, aber nicht über Verbote, sondern über verlässliche Alternativen. Aus eigener Erfahrung bin ich viele Jahre mit dem Fahrrad von Gau-Algesheim nach Bad Kreuznach zur Arbeit gefahren. Radwege sind nicht durchgängig und teils gefährlich. Wir brauchen als klare Vision ein durchgängiges, sicheres Radwegenetz über Gemeindegrenzen hinweg. Die Niederlande und Dänemark zeigen, dass das machbar ist.
Konkret setze ich mich für eine Elektrofähre und eine Fahrradbrücke („Hildegardbrücke“) zwischen Bingen und Rüdesheim über den Rhein ein, um die Querung zu lösen. Ebenso habe ich viele Jahre den Zug genutzt und würde ihn gern wieder als Hauptverkehrsmittel wählen. Regelmäßige Verspätungen machen das für den Arbeitsweg aber oft unmöglich. Darum hat Pünktlichkeit im ÖPNV Priorität. Dazu gehören Instandhaltung, Ausbau und Elektrifizierung, bessere Anschlüsse, mehr Kapazität, Baustellenkoordination und gute Fahrgastinformation.
Wo möglich, sollte Homeoffice und Hybrid-Arbeit gezielt unterstützt werden, um Pendelwege und Verkehrsspitzen zu reduzieren. Für unvermeidbare Autofahrten braucht es Park-and-Ride, Bike-and-Ride, Carsharing und Ladeinfrastruktur in der Fläche.“
Noëlle Walter (Volt)
„Viele Menschen sind auf das Auto angewiesen, weil Bus und Bahn keine echte Alternative sind. Genau das muss sich ändern. Mobilität darf nicht davon abhängen, wo man wohnt.
Ich will, dass Busse und Bahnen zuverlässiger fahren, häufiger kommen und besser miteinander verbunden sind, besonders im ländlichen Raum. Wer kein Auto hat oder fahren kann, muss trotzdem gut zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt kommen.
Gleichzeitig brauchen wir sichere Wege für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen. Weniger Autoverkehr heißt nicht weniger Freiheit, sondern mehr Platz, bessere Luft und mehr Sicherheit. Mobilitätspolitik muss praktisch sein und den Alltag erleichtern und nicht belehren.“
Martin Rector (GRÜNE)
„Ja – der motorisierte Individualverkehr wird perspektivisch weniger Raum einnehmen müssen, sonst schaffen wir die Verkehrswende nicht – für die ich mich einsetze! Aber nicht durch Zwang, sondern durch bessere Optionen.
Viele Menschen sind leider noch auf das Auto angewiesen, weil Alternativen fehlen oder unzuverlässig sind. Das muss sich ändern! Deshalb lautet mein Ansatz: klimaneutrale, bezahlbare und verlässliche Alternativen (ÖPNV) so ausbauen, dass das Auto dort überflüssig wird, wo es nicht zwingend gebraucht wird.“
Carsten Schröder (FDP)
„Wir wollen den motorisierten Individualverkehr nicht pauschal zurückdrängen. Rheinland-Pfalz ist Flächenland – das Auto bleibt wichtig.
Aber: Der Verkehr muss klimaneutral werden.
Unser Weg:
– schnelle Umstellung auf klimaneutrale Antriebe
– technologieoffen: E-Mobilität, E-Fuels, synthetische Kraftstoffe
– Ausbau der Ladeinfrastruktur
– Mobilitätshubs für vernetzte Angebote im ländlichen Raum
CO₂-Bepreisung setzt marktwirtschaftliche Anreize.Unser Ziel ist bedarfsgerechte, innovative Mobilität – nicht Verbotskultur. Technologieoffenheit und Innovation sind auch hier der Schlüssel.“
Michael König (CDU)
„Ich glaube es gibt kein Leitverkehrsmittel, es gibt nutzerbezogene Vorteile. Diese liegen im ländlichen RLP natürlich noch beim Auto. Aber hier setzt sich ja auch die E-Mobilität immer mehr durch. Das ist ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Andere Antriebsmittel werden sicherlich gefunden, welche klimaunschädlich sind und trotzdem Mobilität versprechen. Autos wird es immer geben sei es Verbrenner oder E-Autos. Diese Diskussion führt auch ins Nichts. Wichtig ist es, dass es uns gemeinsam gelingt die Alternativen voran zu treiben. Aber alles wird nur angenommen wenn es bezahlbar ist. Wenn nicht verlieren wir diese Zukunft.
Natürlich ist der Ausbau des ÖPNV ein wichtiges Thema. Auch hier geht es um Bezahlbarkeit für den Konsumenten, um die flächendeckende Versorgung und die Gewissheit auf Verlässlichkeit. Wenn wir einen attraktiven ÖPNV wollen – müssen wir die Wirtschaftlichkeit des Selben neu definieren. Ist die schwarze Null wirklich das Ziel oder lassen wir auch andere Faktoren in der Berechnung zu.
Politik muss ehrlich sein und sagen was sie möchte. Wollen wir einen guten flächendeckenden ÖPNV dann kostet das Geld. Wir dürfen Verbindungen nicht streichen sondern stärken.“
Sebastian Hamann (SPD)
„Wir haben in unserem Landkreis den ÖPNV insbesondere im Busverkehr massiv ausgebaut und die Kilometer nahezu verdoppelt. Mit der KRN ist eines der bundesweit größten kommunalen Busunternehmen auf den Straßen unterwegs. Bald mit einer der größten Elektrobusflotten. Das ist konkrete Klimaschutz. Ich bin überzeugt, dass ein Mobilitätswandel nur durch Angebote und nicht
durch Verbote funktioniert.“
Patric Berges (AfD)
„Das Auto bleibt in Rheinland-Pfalz das Leitverkehrsmittel.
2025/26:Rheinland-Pfalz: ca.580 PKW pro 1.000 Einwohner.
Das spiegelt die ländliche Struktur wider (viele Dörfer, dünne Besiedlung, lange Wege).
ÖPNV-Anteil am Modal Split: nur 8–12 % im ländlichen Raum (Destatis, BMVI).
Viele Buslinien wurden seit 2019 weiter ausgedünnt (z. B. -15–30 % Fahrten im Westerwald, Eifel, Hunsrück – Berichte von Verkehrsverbünden).
Radwege: oft planlos, unsicher oder fehlend außerhalb von Städten.
Deswegen kein Zwang zum Verzicht auf das Auto (Fahrverbote, City-Maut, Kfz-Steuererhöhung, Verbrenner-Aus 2035). Dieser trifft vor allem Berufstätige, Familien und Geringverdiener im ländlichen Raum hart.
Ich bin für bessere Straßeninfrastruktur (keine ideologischen Abwrackprämien für Brücken/Autobahnen), Tempolimits nur wo wirklich sinnvoll, E-Fuels und moderne Verbrenner als Brückentechnologie zulassen.
ÖPNV bedarfsgerecht stärken: flexible Bedarfsbusse, Rufbusse, bessere Taktung auf Hauptachsen.
Frei Verkehrsmittelwahl statt Verzichts- und Verbotspolitik. Das Auto bleibt Freiheit und Notwendigkeit – besonders in Rheinland-Pfalz!“
Transparenzhinweis:
An der Auswertung der eingegangen Antworten waren beteiligt:
Prof. Dr. Stefan Röhl (Mathematik und Logistik)
Dr. Esther Brendel (Psychologie und Biologie)
Dr. Heiko Brendel (Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft)
Dipl.-Päd. Ruben Kaster (Erziehungswissenschaft)
Dipl.-Ing. (FH) Edith Peter (Umwelt- und Hygienetechnik)
Sabine Wahler, M.Sc. (Psychologie und Psychotherapie)
Bei keinem der an der Formulierung der Fragen oder anschließenden Auswertung beteiligten Mitglieder von Scientists for Future Bingen liegen potenzielle Konflikte vor:
Keine(r) ist Mitglied einer Partei oder sonstigen politischen Vereinigung, es bestehen auch keine wirtschaftlichen Abhängigkeiten von Parteien/sonstigen politischen Vereinigungen oder den jeweiligen politischen Stiftungen oder von Abgeordneten.


