Vorschlag zur Umgestaltung des „Stadteingangs West“ – Weiterentwicklung des von der Stadt Bingen vorgestellten Planungskonzeptes

In der StadIn der Stadt Bingen steht die Neugestaltung des sogenannten „Stadteingang West“  vom Gerbhausplatz über den Fruchtmarkt bis zur Kreuzung Fruchtmarkt/Achse Bahnübergang/Starkenburger Hof/Salzgasse an. Dieses Gebiet ist derzeit primär durch Straßen und Parkplätze geprägt. Zuletzt wurde 2019 durch eine Bürger*innenbefragung eine Fahrzeugunterführung zwischen Fruchtmarkt und Rhein-Nahe-Eck mit 57 % „Nein-Stimmen“ abgelehnt. Nun wurden Ende Januar 2022 im Rahmen einer Online-Veranstaltung zur Bürger*innen-Beteiligung verschiedene Planungsvarianten vorgestellt.

Viele der in der Planung dargestellten Ideen sind sehr unterstützenswert und stellen eine klare Verbesserung des Status Quo dar. Darüber hinaus sehen wir noch ungenutztes Potenzial, um die Planung  hinsichtlich des Klimaschutzes zu optimieren und den Bedarfen von Fuß- und Radverkehr stärker gerecht zu werden; insbesondere mit Blick auf die laut Klimaschutzgesetz nötige Minderung der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor von 48% bis 2030. Aus diesem Grund sind wir der Einladung der Stadtverwaltung gefolgt, weitere Anregungen einzureichen. Unseren Beitrag haben wir den zuständigen Personen in der Binger Politik und Verwaltung zukommen lassen sowie online – hier – öffentlich verfügbar gemacht.

Unser Vorschlag in aller Kürze:

Unser Konzept enthält sowohl eine Ergänzung der vorgestellten Ziele um für die Zukunftsfähigkeit der Planung wesentliche Aspekte wie Klimaschutz, Unterstützung der Verkehrswende, Klimaanpassung, Förderung der Biodiversität sowie Barrierefreiheit.

Diese haben wir in einer konkreten Weiterentwicklung des Planungskonzeptes umgesetzt. Wir plädieren für eine priorisierte und sichere Infrastruktur für Rad- und Fußverkehr, die sich leicht erschließt und zur Benutzung einlädt. Darüber hinaus ist es wichtig, die Wege, Plätze und Wände, Standort-angepasst zu begrünen und Bewässerungskonzepte bereits mit in der Planung zu berücksichtigen.

Der Radverkehr wird voraussichtlich – auch in touristischer Hinsicht – stark an Bedeutung gewinnen. Die Weiterentwicklung des Wegenetzes für den Radverkehr wird daher eine wichtige Zukunftsaufgabe sein. Es wäre eine verpasste Chance, diese Entwicklung nicht bereits mitzudenken. Wir plädieren daher dafür, besonders auf die Anschlussfähigkeit der Radwege an das umgebende Wegenetz zu achten und auf diesem Weg attraktivere Radrouten zu ermöglichen.

Auf dieser Website stellen wir Ihnen eine Zusammenfassung zu dem ausgearbeiteten Vorschlag zur Verfügung. Weitere Details können Sie in der Langversion des verlinkten PDFs finden (dort ab S. 8).

Das Konzept wurde federführend von Scientists for Future Bingen erarbeitet; die inhaltliche Entwicklung fand im Austausch mit Aktiven aus anderen S4F Regional- und Fachgruppen sowie von Architects for Future statt.

Dieser Vorschlag wird unterstützt von Fridays for Future Bingen, Parents for Future Bingen, Churches for Future Bingen sowie weiteren Bürger*innen aus dem Umfeld von BIN4F.

Übersicht

  1. Warum ist das wichtig?
  2. Ergänzung der Planungsziele
  3. Weiterentwicklung der Planungsvorschläge
  4. Vorschlag zur Wegeführung
  5. Weiterführende Dokumente

1. Warum ist das wichtig?

Der menschengemachte Klimawandel erfordert in doppelter Hinsicht eine konsequente Stadtplanung. Zum einen müssen die Treibhausgasemissionen auch auf kommunaler Ebene so schnell wie möglich reduziert werden. Konkret hat sich die Bundesregierung mit dem Klimaschutzgesetz von 2021 verpflichtet, die Emissionen im Sektor „Verkehr“ von 2019 bis 2030 um 48 % zu senken. Da die Treibhausgasemissionen in diesem Sektor von 1990 bis 2019 faktisch konstant blieben, ist dafür ein umso entschiedeneres Handeln nötig.

Zum anderen liegt Bingen in einer der, durch die bereits verursachten unvermeidbaren Klimawandelfolgen (Hitzewellen, Stürme und Starkregen) am stärksten betroffenen Regionen Deutschlands. Das bedeutet, dass bereits heute Anpassungsmaßnahmen, wie z.B. Begrünung und Beschattung  mit geplant werden müssen.

Jede stadtplanerische Entscheidung muss dieser doppelten Herausforderung gerecht werden, denn heute getroffene Entscheidungen, insbesondere im Bereich der Infrastrukturentwicklung, werden Bingen für Generationen prägen. 

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2. Ergänzung der Planungsziele

  1. Stärkung der Verkehrsströme, die keine oder nur geringe Treibhausgasemissionen verursachen: Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und der ÖPNV,
  1. Berücksichtigung zukünftiger Verkehrsströme und der damit verbundenen Reduktion der Anzahl motorisierter Fahrzeuge (ruhender und fließender Verkehr),
  1. Anpassungsmaßnahmen an zu erwartende steigende Temperaturen und Extremwetterlagen,
  1. Zukunftsfähigkeit der Planung/Stadtentwicklung im Sinne der erforderlichen Verkehrswende,
  1. Mehrnutzungsstrategien für knappe Flächen und Berücksichtigung der Erzeugung erneuerbarer Energien als ergänzende Nutzung (zum Beispiel Photovoltaik-Überdachung für Bushaltestellen, Fahrradstellplätze und Parkplätze),
  1. möglichst ortsnaher Ausgleich von weggefallenen Grünflächen und bereits versiegelter Flächen,
  1. naturnahe Gestaltung, ökologisches Grünflächenmanagement sowie Vernetzung von Grünflächen,
  1. Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer*innen und Kinderwagen.

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3. Weiterentwicklung der Planungsvarianten

  1. attraktive Fahrradachsengestaltung zwischen Rhein und Nahe mit Anbindung in Richtung Bingerbrück, Stadtbahnhof, Stefan-George-Straße sowie Richtung „CityCenter“,
  1. kreuzungsfreie, attraktive Rad- und Fußwegeverbindung zwischen Fruchtmarkt und Museumsstraße/Hindenburganlage durch Gestaltung der Bahnüberführung ausschließlich für Rad- und Fußverkehr sowie Einsatzfahrzeuge,
  1. konsequent separate Verkehrsführung für Fuß- und Radverkehr, in den Unterführungen, im geplanten Kreisverkehr und auf den wesentlichen Verkehrsachsen (nur so kann eine sichere Nutzung der Gehwege auch mit Rollstühlen und Kinderwagen gewährleistet werden),
  1. zweispuriger Zweirichtungsradweg auf der Stadtseite des Fruchtmarkts (anstelle beidseitiger Fahrradspuren),
  1. breitere Fahrradspuren,
  1. breite Gehwege,
  1. öffentliche Gelder nicht in Investitionen in Parkhäuser binden, stattdessen eine Nutzung der Gelder im Sinne des Klimaschutzes ermöglichen,
  1. im Zweifelsfall im Bereich der Parkräume – entsprechend der von der Stadt vorgeschlagenen Variante 1 (Parkplatz) – die Erstellung möglichst Baumaterial-sparender Bauwerke, die mit verhältnismäßig geringem Aufwand und ökologischem Fußabdruck errichtet und wieder rückgebaut werden können,
  1. genereller Vorrang von Fahrrad- und Fußverkehr vor dem motorisierten Personenverkehr,
  1. genereller Vorrang des ÖPNV vor dem motorisierten Individualverkehr,
  1. fortlaufende Partizipationsmöglichkeiten für Bürger*innen (insbesondere der Anwohner*innen) zur Förderung der Akzeptanz.

Für die weitere Stadtentwicklung sehen wir darüber hinaus folgende Themen als notwendig an. Aufgrund der räumlichen Verknüpfung sollten sie auch bei der vorliegenden Planung „mitgedacht“ werden:

  1. Anbindung der Radverkehrsführung in Richtung Stadtbahnhof (zum Beispiel über Vorstadt und den Rheinkai) und in Richtung Hauptbahnhof,
  1. attraktivere Anbindung an Stadtbahnhof und Hauptbahnhof für Fußgänger*innen und Nutzer*innen des ÖPNV,
  1. Entkopplung von Fuß- und Radverkehrsführung auf dem Nahe-Radweg insbesondere im Bereich zwischen Rhein-Nahe-Eck und Schlossbergstraße.

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4. Vorschlag zur Wegeführung

Entwurf der Wegeführung im Bereich des Fruchtmarkts.
Entwurf einer Rad- und Fußwegeführung. Eigene Darstellung, Basiskarte © OpenStreetMap, https://www.openstreetmap.org.
Fokus Radverkehr
Fokus Fußwege
Fokus Autoverkehr

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5. Weiterführende Dokumente

Gesamtes Dokument:
Im hier verlinkten PDF finden Sie eine Zusammenfassung (S. 2-4), Ableitungen der Klimaziele (S. 5-7) und im Anschluss detailliertere Darstellungen (ab S. 8).

Informationen und Konzept der Stadt Bingen

Forschungsprojekt „Kommunale Klimaanpassung im Welterbe Oberes Mittelrheintal“

„Bausteine für einen klimagerechten Verkehr“ (Umweltbundesamt 2021: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/366/dokumente/uebersicht_bausteine_klimavertraeglicher-verkehr_kliv_12-2021.pdf)

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2 Gedanken zu „Vorschlag zur Umgestaltung des „Stadteingangs West“ – Weiterentwicklung des von der Stadt Bingen vorgestellten Planungskonzeptes“

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